Ich habe immer geglaubt, durch und durch Hundemensch zu sein. Katzen fand ich zwar auch ganz nett, aber mehr dann doch nicht. In meinen Zukunftsplänen gab es immer Hunde, möglichst groß und möglichst bullig. Entsprechend erschrocken war ich, als der Allergietest mir eine Allergie gegen Hundehaare (und überhaupt gegen alles außer Katzen) diagnostizierte. Ein Hundemensch mit Hundehaarallergie. Nicht lustig.
Dann spazierte eines Tages der Katzer in meien Wohnung und machte sich in meinem Leben breit. Es fing mit einer improvisierten Futterschüssel und gelegentlichen Besuchen, verschüchterten seinerseits an. Später dann wagte er kurze Ruhepausen auf der Königsdecke, in der hintersten Ecke unter dem Bücherregal. Ich bastelte ihm aus einem Karton und einer Fleecedecke einene Schlafkorb, den er geflissentlich ignorierte. Zum Glück hat er seine zunächst ebenfalls improvisierte Katzentoilette nicht auch ignoriert. Mit der Zeit bekam er richtige Fressnäpfe und eine richtige Katzentoilette. Er schlief lieber auf dem Bett / dem Sofa / mir selbst als in seiner Ecke unter dem Bücherregal. Er hat sich meine pinke Flauschdecek als Lieblingsdecke ausgesucht. Er bekam richtiges Katzenspielzeug. Er bekam auch eine langweilige Schnur zum spielen. Erst bekam er einen optisch sehr schönen und vermeintlich ausbruchsicheren Weidenkorb für künftige Tierarztbesuche. Er bekam eine tatsächlich ausbruchsichere Transportbox. Einen Namen bekam er natürlich auch. Er hielt sich immer öfter, immer länger bei mir auf. Ich bastelte ihm eine Überlebenskiste für die Nächte draußen. Ihm gehört einer meiner Gartenstühle und er hat einen selbstgebauten Ausguckturm auf der Terrasse. Er weckt mich, wenn es seiner Meinung nach Zeit fürs Frühstück ist. Ihm (und mir) suspekte Besucher starrt er feindselig an. Die wirklich guten Menschen mag er aber sehr. Der Rocker und er sind ein Herz und eine Seele. Er folgt mir mitunter auf Schritt und Tritt. “like you´re his mum or something”, wie der Brite einst sagte. Jeden Morgen springt er draußen erst auf den Gartentisch, dann muss er unbedingt auf den Arm, durch die Weltgeschichte gucken und ein bisschen schmussen. Anschließend trippelt er auf seimem Ausguck herum und hält mich davon ab, zur Arbeit zu fahren. Er hat einen relativ großen Hundekorb für Indoorschläfchen bekommen. Unter dem offiziellen Korbkissen liegt eine meiner Wolldecken, damit es weicher ist und nicht so knarzt. Obendrüber liegt eine Fleecedecker, damit es ein bisschen kuscheliger ist. Er hat seine eigene Flauschdecke, eine mit Micky Maus drauf. Wir verbringen unsere faulen Nachmittage und Abende gerne auf dem Sofa, jeder unter seiner eigenen Decke. Er fängt mir Mäuse und versteckt sie liebevoll unter meinem Bett. Wenn es ihm mit dem Frühstück nicht schnell genug, fängt er sich zur schlimmsten Hungerbekämpfung eine Maus und lässt mir die Hälfte davon übrig. Es gibt immer einen Vorrat seiner liebsten Leckerlis. Er bringt mich zum lachen. Er beruhigt mich. Er hat seine eigene Bürste udn neuerdings auch ein Kratzgebilde. Er hat dem Rocker seinen Spongebob abgeschwatzt. Er hat gelernt, in der unteren Hälfte seiner Transportbox zu schlafen. Er hat eine neue, stylishe Katzentoilette. Er weiß es noch nicht, aber er wird zu Weihnachten einen Kratzbaum geschenkt bekommen. Er kann in meiner Gegenwart tief und fest schlafen, kann wild träumen und mich gefangenhalten. Er verzeiht mir fiese Besuche beim Tierarzt. Längst ist er kastriert, tätowiert und offiziell “meiner”. Er holt mich zum Feierabend auf dem Parkplatz ab, begleitet mich bis zur Haustür und rast dann nach hinten zu meiner Terrassentür, damit ich ihn in die Wohnung lassen kann. Er ist wundervoll. Und er hat mich erkennen lassen, dass ich wohl doch ein Katzenmensch bin.
Titus und ich. Wir zwei beide. 